Die psychologischen Hintergründe von Eifersucht im Überblick

Fachlich geprüft von Dora Matis, Dr. med.
Aktualisiert 19. August 2025 von BetterHelp Redaktionsteam

Jeder kennt das stechende Gefühl der Eifersucht. Wenn die beste Freundin sich plötzlich mit einer anderen gemeinsamen Freundin trifft und man sich ausgeschlossen fühlt. Wenn Partner:innen einem Anderen vielleicht eine Sekunde zu lange nachschauen. Du kennst sicher die verschiedenen Szenarien und dieses mulmige Gefühl in der Bauchgegend. Aber oft ist das nicht gerechtfertigt. Daher die Frage: Woher kommt dieses Gefühl? Wie kannst du es verhindern? All das erfährst du hier!

Ein Paar sitzt auf einer Bank im Freien, blickt sich an und hält sich in einer tröstenden Geste an den Händen.
Getty/Frazao Studio Latino
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Was ist eigentlich Eifersucht?

Eifersucht ist ein Gefühl, das in jeder zwischenmenschlichen Beziehung auftreten kann und das sich wirklich nicht nur auf Liebesbeziehungen bezieht. Eifersucht kann zwischen Geschwistern, in einer Partnerschaft und auch in Freundschaften entstehen und für Streit sorgen. 

Im Gegensatz zum Neid, bei dem es sich um den Wunsch handelt, etwas zu haben, was ein anderer hat, ist Eifersucht oft mit Verlustängsten und Unsicherheit verbunden, ersetzt zu werden.

Vorsicht: Eifersucht

Studien nach ist Eifersucht einer der häufigsten Gründe für Femizide. Eifersucht wird oft als ein kindliches Gefühl abgetan, das man nicht ernst nehmen muss, oder als eine Art Liebesbeweis. Tatsächlich kann Eifersucht aber auch zu einer Art „Obsession“ übergehen, die unbedingt professionell begleitet werden sollte. 

Wenn du oder ein geliebter Mensch Missbrauch erfährt, kontaktiere das Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen unter 116 016 oder das Hilfetelefon Gewalt an Männern unter der 0800 123 99 00 (nur Mo-Fr). Unterstützung ist für Frauen rund um die Uhr verfügbar.

Wieso gibt es Eifersucht?

Aus evolutionärer Sicht dient Eifersucht einem Zweck. Es wird angenommen, dass sie sich als Mechanismus entwickelt hat, um Beziehungen zu schützen und das Überleben zu sichern. In romantischen Beziehungen kann Eifersucht die Treue sichern und Untreue verhindern, wodurch Ressourcen und Schutz für die Nachkommen gesichert werden.

In sozialen Gruppen hilft sie den Individuen, ihren Status und ihre Bündnisse aufrechtzuerhalten, was in den früheren menschlichen Gesellschaften überlebenswichtig war. Wir leben zwar nicht mehr in Höhlen, aber die Überreste dieser Instinkte sind in unserem emotionalen Repertoire erhalten geblieben.

Die psychologischen Wurzeln der Eifersucht

Aber abgesehen von der Evolution gibt es noch weitere Wurzeln für Eifersucht.

Bindungsstile

Die frühen Beziehungen zu unseren Bezugspersonen prägen die Art und Weise, wie wir als Erwachsene mit Beziehungen umgehen. Menschen mit einem sicheren Bindungsstil fühlen sich in ihren Beziehungen eher sicher und leiden seltener unter starker Eifersucht. Umgekehrt können Menschen mit einem ängstlichen oder vermeidenden Bindungsstilen Vertrauensprobleme und Angst vor dem Verlassenwerden haben, was sie anfälliger für Eifersucht macht.

Selbstwertgefühl

Eifersucht spiegelt oft unsere Unsicherheiten wider. Menschen mit geringem Selbstwertgefühl halten sich selbst für weniger liebenswert, so dass sie Situationen eher als bedrohlich empfinden.

Sozialer Vergleich

Der Mensch neigt von Natur aus dazu, sich mit anderen zu vergleichen. Wenn wir das Gefühl haben, dass wir zu kurz kommen – sei es in Bezug auf unser Aussehen, unsere Leistung oder unsere Beziehungen – kann dies Eifersucht auslösen.

Eine ältere Frau hält ein Glas Wasser und sieht besorgt aus, während ein Mann ihr unterstützend eine Hand auf die Schulter legt.
Getty/Halfpoint Images

Frühere Erfahrungen

Frühere Betrügereien oder Verluste können emotionale Narben hinterlassen, die es uns erschweren, anderen zu vertrauen. Dieser „emotionale Ballast“ kann die Sensibilität für potenzielle Bedrohungen erhöhen, selbst wenn diese unbegründet sind.

Kulturelle und gesellschaftliche Einflüsse

Kulturelle Normen und gesellschaftliche Erwartungen spielen eine wichtige Rolle bei der Ausprägung unserer Eifersuchtserfahrungen. Die Darstellung von idealen Beziehungen, Geschlechterrollen und Erfolgen in den Medien kann unrealistische Erwartungen wecken und Eifersucht nähren, wenn die Realität nicht den Erwartungen entspricht.

So kannst du mit Eifersucht umgehen 

Die Wurzeln der Eifersucht zu verstehen, ist der erste Schritt, um sie zu bekämpfen. Hier sind einige Methoden:

Führe Tagebuch

Manchmal hilft es wirklich, ein Tagebuch zu führen und dann von außen deine Situation zu betrachten. Gibt es wirklich eine Bedrohung? Projizierst du vielleicht Unsicherheiten? Versuche deine Gefühle zu entschlüsseln. 

Entschlüssle deine Gefühle

Manchmal reicht es nicht aus, wenn wir unsere Gefühle in einem Tagebuch entschlüsseln. Manchmal ist es nämlich hilfreicher, diese in Begleitung von psychologischen Berater:innen zu besprechen. Denn wenn die Eifersucht überwältigend wird, können erfahrene Fachleute dabei helfen, Muster zu erkennen und Instrumente zur Bewältigung Ihrer Gefühle bereitzustellen, um mental zu wachsen. Das kannst du heutzutage bequem online tun und flexibel in deinen Alltag integrieren. 

Offene Kommunikation

In Beziehungen ist Ehrlichkeit der Schlüssel. Wenn du lernst, deine Gefühle ohne Vorwürfe auszudrücken, kann das Vertrauen fördern und Missverständnissen vorbeugen.

Selbstvertrauen aufbauen

Stärke dein Selbstwertgefühl durch Selbstfürsorge, dem Setzen von persönlichen Zielen und dem Feiern deiner Erfolge.

Negative Gedanken hinterfragen

Übe, negative Gedanken umzudrehen. Denke zum Beispiel nicht: „Ich bin nicht gut genug“, sondern erinnere dich an deine Stärken und den Wert, den du in deine Beziehungen einbringst. Positive Gedanken ziehen weitere positive Gedanken an, aber umgekehrt genauso. 

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Die gute Seite der Eifersucht

Obwohl Eifersucht oft negativ gesehen wird, kann sie auch eine konstruktive Seite haben. Sie kann auf Bereiche in unserem Leben oder in unseren Beziehungen hinweisen, die Aufmerksamkeit brauchen, und wenn sie richtig und mit gesunder Kritik eingesetzt wird, sie kann uns ermutigen, uns weiterzuentwickeln. Wenn du zum Beispiel neidisch auf den Erfolg eines Mitarbeitenden bist, kann dich das dazu anregen, deine eigenen Ziele mit mehr Leidenschaft zu verfolgen.

Fazit

Eifersucht ist ein natürliches, wenn auch unangenehmes Gefühl, das auf tiefe psychologische Wurzeln zurückgeht. Wenn wir ihre Ursprünge verstehen und lernen, konstruktiv mit ihr umzugehen, können wir Eifersucht in eine Chance für Selbstentdeckung und Wachstum verwandeln. Wenn dir das schwerfällt, dann kann es sich lohnen, das mit einem Experten oder einer Expertin zu besprechen, den therapeutische Unterstützung kann in vielen Lebensbereichen helfen.

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