Vergeben, verzeihen, versöhnen: Wie dir Vergebung Kraft schenken kann

Fachlich geprüft von Dora Matis, Dr. med.
Aktualisiert 7. Oktober 2025 von BetterHelp Redaktionsteam

Vergeben, verzeihen, versöhnen … Was lösen diese Wörter in dir aus? Vergebung ist ein komplexes Thema, das sich für jeden Menschen anders anfühlt und das auch immer komplett davon abhängt, was man vergeben soll. Wenn dein Partner oder deine Partnerin das letzte Stück Pizza gegessen hat, auf das du dich schon gefreut hast, dann wird es eurer Beziehung nicht unbedingt helfen, wenn du einen langen Groll deswegen hegst. Hier solltest du einfach nur deine Gefühle kommunizieren. Wenn dich dein Partner oder deine Partnerin aber emotional oder körperlich betrogen hat, dann wird das Gefühl größer und das Vergeben schwerer. Wieso dir Vergebung Kraft schenken kann und was das für deine zwischenmenschlichen Beziehungen bedeutet, beleuchten wir in diesem Artikel.

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Was ist eigentlich Vergebung?

Studien besagen, dass Menschen, die vergeben können und denen vergeben wird, grundsätzlich glücklicher sind. Vergebung wird als heilsam für die Seele beschrieben. Vergebung beschreibt den Vorgang, in dem du akzeptierst, dass dir jemand psychisch oder physisch weh getan hat. Das bedeutet nicht, dass du das Verhalten gutheißen oder begrüßen musst, sondern einfach nur, dass du es intern verarbeiten konntest, das Handeln der anderen Person zu verstehen und damit abschließen konntest. 

Wie kann man vergeben?

Vergebung ist ein großer Akt, der dein geistiges und körperliches Wohlbefinden verändern kann. Auch wenn es oft leichter gesagt als getan ist, ist das Verzeihen ein wesentlicher Faktor für persönliches Wachstum, emotionales Wohlbefinden und gesunde Beziehungen. 

Wieso solltest du überhaupt vergeben?

Vielleicht fragst du dich, wieso du überhaupt den Akt der Vergebung eingehen sollst. Immerhin hast du ja eventuell nichts falsch gemacht und sollst jetzt ausbaden, was dir jemand anderes angetan hat? Tatsächlich kann dieser Akt auch dir helfen. Wobei und wieso erfährst du im nächsten Abschnitt.

Steigerung des mentalen Wohlbefindens

Das Festhalten am Groll erhöht Stress und Ängste. Vergebung hilft dir langfristig, negative Emotionen loszulassen und fördert deinen Seelenfrieden.

Verbesserung des körperlichen Wohlbefindens

Chronischer Ärger kann zu Anzeichen wie Bluthochdruck und geschwächtem Immunsystem führen. Vergebung reduziert Stress und dessen körperlichen Folgen.

Bessere Beziehungen

Vergebung fördert Vertrauen und Einfühlungsvermögen und hilft dir dabei, engere Beziehungen zu anderen aufzubauen.

Persönliches Wachstum

Bei der Vergebung geht es nicht darum, das Verhalten eines anderen zu entschuldigen, sondern darum, sich von dessen Kontrolle über deine Gefühle zu befreien. Studien besagen, dass es dir besser gehen wird, wenn du vergeben kannst.
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Gesteigertes Glücksempfinden

Wenn du deinen Groll loslassen kannst, ebnest du dir selbst einen Weg für mehr Freude und emotionale Freiheit.

10 Schritte zur Vergebung

Hier sind 10 Schritte, die dir dabei helfen, Vergebung anzunehmen. Erfahre, warum sie eines der besten Geschenke ist, die du dir selbst machen kannst. Stichpunkt: Dir selbst! Beim Vergeben geht es viel mehr um dich selbst und dein eigenes Gemüt als um die Person, der du vergibst. 

1. Erkenne deinen Schmerz an

Der erste Schritt zur Vergebung besteht darin, zu erkennen, wie sich die Situation auf dich ausgewirkt hat. Lasse deine Gefühle von Schmerz, Wut oder Verrat zu, ohne sie zu bewerten.

2. Verstehe Vergebung

Vergebung bedeutet nicht, schlechtes Verhalten zu dulden oder das Geschehene zu vergessen. Es geht darum, die Last der Wut und des Grolls loszulassen.

3. Triff die Entscheidung, zu verzeihen 

Vergebung ist eine Entscheidung. Entscheide dich bewusst dafür, die negativen Gefühle loszulassen, auch wenn es Zeit braucht.

4. Versuche, die andere Person zu verstehen

Versuche, die Situation aus der Sicht der anderen Person zu verstehen. Wenn du die Menschlichkeit der anderen Person anerkennst, kannst du Wut und Verurteilung loslassen.

5. Drücke deine Gefühle aus

Das Führen eines Tagebuchs, ein Gespräch mit einer vertrauenswürdigen Person, einem Familienmitglied oder professionelle Unterstützung  - all das kann dir helfen, deine Gefühle besser zu verstehen und sie Stück für Stück loszulassen. 

Manchmal tut es einfach gut, sich auszusprechen. Und manchmal braucht es jemanden, der dich gezielt durch diesen Prozess begleitet. In einem geschützten Rahmen, ganz in deinem Tempo. 

6. Setze Grenzen

Vergebung bedeutet nicht, dass du toxisches Verhalten weiterhin zulässt. Setze gesunde Grenzen, um dein Wohlbefinden zu schützen.

7. Übe dich in Selbstmitgefühl

Sei während des Prozesses der Vergebung nett zu dir selbst. Es ist in Ordnung, wenn es Zeit braucht, um vollständig loszulassen.

8. Beschäftige dich mit Aktivitäten zum Stressabbau

Aktivitäten wie Meditation, Yoga oder Sport können dir helfen, den mit ungelösten Emotionen verbundenen Stress zu bewältigen.

9. Reflektiere die Geschehnisse

Überlege, was du aus der Erfahrung gelernt hast. Schwierige Situationen führen oft zu wertvollen Einsichten und persönlichem Wachstum.

10. Loslassen und weitermachen

Lass das emotionale Gewicht los, indem du dich auf die Gegenwart und die Zukunft Konzentrierst. Vergebung bedeutet, sich selbst die Erlaubnis zu geben, ohne Groll zu leben.

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Was tun, wenn du einfach nicht vergeben kannst?

Wenn dir das Vergeben schwer fällt, dann ist das auch in Ordnung. Es gibt Situationen, in denen man nicht vergeben muss, um sein Leben weiterzuführen. Aber wenn du die Situation trotzdem nicht loslassen kannst und sie deinen Alltag beeinträchtigt, dann kann es sinnvoll sein, mit erfahrenen Berater:innen zu sprechen.  Das kannst du mittlerweile ganz entspannt von zuhause aus machen: Online-Unterstützung lässt sich flexibel in deinen Alltag einbauen – und Studien zeigen, dass sie bei vielen emotionalen Belastungen genauso wirksam sein kann wie persönliche Gespräche vor Ort.

Fazit

Vergebung ist nicht immer einfach, aber sie kann ein Akt der Liebe an dich selbst sein. Du kannst durch Vergebung lernen, die Geschehnisse loszulassen und dein Leben weiter zu leben - ohne den Ballast der Geschehnisse. Wenn du dir damit alleine schwer tust, kannst du dir Unterstützung holen. Das geht über Online-Beratung mittlerweile auch flexibel von zuhause aus. 

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