People Pleaser: Wie du mehr Wert auf deine eigenen Bedürfnisse legst
„People Pleaser“ – ein Begriff, der in der Psychologie und Alltagskommunikation immer häufiger auftaucht. Doch was genau bedeutet es, ein People-Pleaser zu sein? Der Begriff beschreibt Menschen, die ein starkes Bedürfnis nach Harmonie haben und oft ihre eigenen Bedürfnisse zugunsten anderer zurückstellen. Während diese Eigenschaft auf den ersten Blick als sozial wünschenswert erscheinen mag, birgt sie langfristig Gefahren für das eigene Wohlbefinden. Dieser Artikel beleuchtet die psychologischen Hintergründe des People Pleasings, welche Konsequenzen es für Betroffene birgt und zeigt praxisnahe Tipps und Methoden, wie man People Pleasing überwältigen kann.

Was ist ein People Pleaser?
Als People Pleaser werden Menschen bezeichnet, die anderen ständig alles recht machen möchten. Ihre Gedanken kreisen stets um die Frage, wie sie es erreichen, dass die anderen um sie herum zufrieden sind, was die anderen von ihrem Handeln halten und wie sie sicherstellen können, dass das Umfeld gut auf diese Handlungen reagiert. Also einfacher gesagt: People Pleaser beschäftigen sich übermäßig damit, wie sie für andere Menschen sein müssen. So richten sie nicht nur ihre Denkweise und ihr Verhalten gegenüber anderen Menschen aus, sondern auch ihre Gefühle. Doch das kann schwere Konsequenzen für ihr eigenes Wohlbefinden haben. Deshalb werden wir im Folgenden näher darauf eingehen, wie man People Pleasing identifiziert und was man dagegen tun kann.
People pleasing bedeutet: Gefühle verstecken
Wer es allen recht machen möchte, versteckt beispielsweise die eigene Wut, da diese in der Gesellschaft nicht angebracht zu sein scheint und somit als negativ gesehen wird. Wut ist aber eigentlich die Erkenntnis von den eigenen Grenzen. Wenn man diese nicht klar kommuniziert und diese dann überschritten werden und man selbst nichts dagegen tut, ist das Zeigen von Wut eine natürliche Reaktion.
People Pleaser kennen ihre eigenen Bedürfnisse nicht
People Pleaser stellen auch ihre Bedürfnisse für andere zurück. Das zeigt sich beispielsweise in Partnerschaften, in denen ein Partner oder eine Partnerin versucht, dem oder der anderen alle Wünsche von den Lippen abzulesen, die eigenen Bedürfnisse aber vernachlässigt. Auch wenn es für Betroffene sehr anstrengend sein kann, es allen recht machen zu wollen, in der Psychologie wird dieses Verhalten nicht als eigenständige Kategorie geführt. Vielmehr handelt es sich um ein erlerntes, tief verankertes Muster, das mit bestimmten Denk- und Beziehungsmustern verbunden ist. Die gute Nachricht ist: Betroffene können lernen, sich wieder mehr um sich selbst zu kümmern, den eigenen Bedürfnissen nachzugehen - und das ganz ohne Schuldgefühle.
Was steckt hinter People Pleasing?
Das Verhalten von People-Pleasern kann verschiedene Ursachen haben, zum Beispiel eine gewisse Sucht nach Anerkennung und der Glaube, nicht gut genug zu sein. Wenn du etwas für andere tust und dafür Lob erhältst, fühlst du dich wahrgenommen. Und das Gefühl, gesehen und anerkannt zu werden, ist ein Grundbedürfnis jedes Einzelnen von uns.
Auch wenn „People Pleasing“ keine offiziell definierte Kategorie in internationalen Klassifikationen ist, können damit verbundene Verhaltensweisen in bestimmten psychischen Erkrankungen auftreten.
Es ist wichtig zu beachten, dass nicht jede Person, die sich als „People Pleaser“ bezeichnet, eine dieser Diagnosen erfüllt. Dennoch können sich diese Tendenzen in spezifischen klinischen Kontexten verstärken

Weitere Ursachen
Die Psychologie sieht den Wunsch nach Anerkennung aber nicht als einzige Erklärung für das Verhalten. Viele Menschen machen es anderen recht, um ihr eigenes Harmoniebedürfnis zu befriedigen. Sprich, das Bedürfnis der Sicherheit nimmt in diesem Fall die Oberhand. Auch die Angst vor Ablehnung begleitet People Pleaser oft. Sie erhoffen sich durch ihr Verhalten, dass sie Menschen in ihrer Umgebung gefallen und sie akzeptieren.
People Pleasing und Verbindung zur Kindheit
Dieses Verhaltensmuster hat seine Wurzeln häufig in der Kindheit. Wenn Kinder lernen: Liebe und Aufmerksamkeit gibt es nur, wenn sie für das Wohlbefinden eines Elternteils sorgen, kann das den Grundstein für People Pleasing legen.
Gibt es Persönlichkeitstypen, die eher zu People Pleasing neigen?
Der Wunsch nach Anerkennung, ein ausgeprägtes Harmoniebedürfnis oder die Angst vor Ablehnung – das alles kann zum People Pleasing beitragen und hängt oft mit einem geringen Selbstwertgefühl zusammen. Demnach sind Personen, die unsicher sind und davon überzeugt sind, dass sie selbst nur einen geringen Wert besitzen, häufig besonders gefährdet. Sie neigen dazu, sich den vermeintlichen Wünschen und Erwartungen anderer Menschen anzupassen. Dadurch, dass sie es allen recht machen wollen, fühlen sie sich abhängig von den Reaktionen anderer, nach dem Motto: Nur wenn ich mein Gegenüber glücklich mache, erhalte ich die Chance, selbst glücklich zu sein.
People Pleasing in Beziehungen
Das Schlimme beim People Pleasing ist, dass Betroffene nur erahnen können, was andere Menschen glücklich stimmen kann. Hier findet also kein offener Austausch über Wünsche statt. Vielmehr fantasiert ein People Pleaser das zusammen, was bei dem Gegenüber gut ankommen könnte. Manchmal bewirken die vermeintlichen Wohltaten aber genau das Gegenteil. Betroffene handeln häufig auf eigene Faust und erzielen damit nicht die gewünschte Reaktion wie Dankbarkeit. Das kann dazu führen, dass Beziehungen sich durch Vorwürfe des Anderen komplizierter gestalten.
Negative Folgen von People Pleasing
Bei People Pleasern besteht die Gefahr, dass sie den Kontakt zu sich selbst verlieren – sie wissen dann nicht mehr, was sie sich wünschen und welche Bedürfnisse sie haben. Diese Entfremdung von sich selbst kann ein Gefühl der Fremdbestimmung erzeugen und zu großer Unzufriedenheit oder sogar Depression führen. Denn wie kann man sich für sich selbst sorgen, wenn man nicht einmal weiß, welche Bedürfnisse man selbst hat?
Woran erkenne ich, ob ich ein People Pleaser bin?
Wenn du ein People Pleaser bist, dann denkst du immer zuerst an die andere Person und bist oft nicht in der Lage, folgende Frage zu beantworten: Welche Bedürfnisse habe ich? Hier ein Beispiel aus dem Alltag: Wenn eine Weihnachtsfeier ansteht, beschäftigst du dich beispielsweise damit, wie andere sich einen gelungenen Abend vorstellen, und nicht damit, welche Wünsche du selbst dabei hast.
Merkmale eines People Pleasers
Generell sagen People Pleasers Ja, selbst dann, wenn sie eigentlich Nein meinen. Typisch ist auch, dass People Pleaser Begegnungen mit anderen Menschen als anstrengend empfinden – einfach deshalb, weil sie dabei das Gefühl haben, ständig etwas machen oder sich in bestimmter Weise verhalten zu müssen. Der Wunsch, richtig zu sein oder sich richtig zu verhalten, ist bei Betroffenen oft sehr präsent. Häufig haben sie einen starken inneren Kritiker, der sie abwertet, wenn sie zur Abwechslung einmal selbstbestimmt handeln.
Was tun gegen People Pleasing?
Mit folgenden Tipps kannst du als People Pleaser wieder in Kontakt zu dir selbst kommen:
- Eigene Bedürfnisse wahrnehmen: Schreibe deine eigenen Bedürfnisse auf, auch wenn das anfangs schwierig sein mag.
- Wünsche aussprechen: Eine gute Übung ist es, jeden Tag einen kleinen Wunsch an den Partner, die Partnerin oder die Kinder zu richten.
- Zu den eigenen Bedürfnissen stehen: Lass dir das, was dir wichtig erscheint, nicht von deinem Umfeld ausreden.
- Selbstwertgefühl stärken: Werde dir deine Stärken bewusst. So kannst du zukünftig deine Wünsche selbstbewusster kommunizieren.
Hole dir Unterstützung
Wenn du das Gefühl hast, nicht alleine aus dem People Pleasing herauszukommen, kannst du dir professionelle Unterstützung suchen. Für viele Menschen kann eine psychologische Online-Beratung hierbei ein wertvolles Werkzeug sein, um sich mit dem People Pleasing auseinanderzusetzen und Methoden und Strategien zu entwickeln und es zu bewältigen. Die Flexibilität und Bequemlichkeit von Online-Sitzungen bieten einen niedrigschwelligen Zugang zu professioneller Hilfe. Dieser Rahmen ermöglicht es, mit geschulten Fachpersonen mit psychologischer oder beraterischer Ausbildung gezielt an individuellen Mustern zu arbeiten, Schuldgefühle zu hinterfragen und gesunde Grenzen zu setzen.
Maßgeschneiderte Unterstützung im eigenen Tempo
Studien zeigen, dass Online-Begleitung ebenso wirksam sein kann wie traditionelle Sitzungen vor Ort. Dabei profitieren Betroffene von der zeitlichen und örtlichen Flexibilität. Gerade bei der Behandlung von Themen wie People Pleasing, die häufig mit Selbstwertproblemen und zwischenmenschlichen Dynamiken verbunden sind, kann die Effizienz durch maßgeschneiderte Strategien und das Bestimmen des eigenen Tempos gesteigert werden.
Fazit
People Pleasing ist ein erlerntes Verhaltensmuster, das oft tief verwurzelt ist und die Betroffenen daran hindert, ihre eigenen Bedürfnisse wahrzunehmen und durchzusetzen. Mit gezielten Strategien, der Stärkung des Selbstwertgefühls und dem Einholen professioneller Hilfe können Betroffene lernen, wieder in den Dialog mit sich selbst zu treten. Eine psychologische Online-Beratung bietet dabei eine flexible und effiziente Möglichkeit, Bewältigungsstrategien zu erlernen, um nachhaltig ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen. Beginne mit der Entscheidung, dich selbst als Priorität zu setzen, und erlebe schon bald ein erfülltes, selbstbestimmtes Leben.
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