Die Kunsttherapie verstehen: Wie Kunsttherapeut:innen durch kreative Ausdrucksformen heilen können

Fachlich geprüft von Dora Matis, Dr. med.
Aktualisiert 15. Dezember 2025 von BetterHelp Redaktionsteam

Kunsttherapie ist eine besondere Form der Psychotherapie, die kreative Ausdrucksformen nutzt, um Menschen bei psychischen, emotionalen und körperlichen Herausforderungen zu unterstützen. Kunsttherapeut:innen helfen Patient:innen, durch das Malen, Zeichnen, Töpfern, Skulpturieren und andere künstlerische Methoden ihre Gefühle auszudrücken und zu verarbeiten. In diesem Artikel beleuchten wir das Berufsbild der Kunsttherapeut:innen, die Ausbildung zur Kunsttherapeutin oder zum Kunsttherapeuten, und die verschiedenen Modalitäten der Kunsttherapie sowie deren Wirksamkeit.

Getty/Oliver Rossi
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Die Kunsttherapie: Was kann ich darunter verstehen? 

Kunsttherapie ist ein psychotherapeutisches Verfahren, das künstlerische Ausdrucksformen nutzt, um seelische Heilungsprozesse zu unterstützen. Diese Therapieform geht davon aus, dass das kreative Gestalten von Kunst heilend auf unsere Psyche wirken kann. Es geht nicht darum, Kunstwerke zu kreieren, sondern den Zugang zu der inneren Welt zu schaffen und so mit seelischen Herausforderungen zu arbeiten. Die kreative Tätigkeit wird in diesem Therapieansatz als Spiegel der inneren Welt genutzt. 

Neuer Ansatz 

Diese relativ junge Therapieform wird in vielen psychiatrischen und psychosomatischen Kliniken angewandt. Außerdem kommt sie auch in manchen Förderschulen und Altenheimen zum Einsatz. Dazu wird sie meist in einer Gruppentherapie angeboten, es ist jedoch möglich, sie auch als Einzeltherapie durchzuführen. 

Therapie ohne Worte 

Das Ziel der Kunsttherapie ist es, dass Patient:innen ihre inneren Gemütszustände durch das kreative Gestalten ausdrücken, ohne sich rein auf Worte verlassen zu müssen und so ihre Gefühle auf eine neue, andere Art und Weise zu verarbeiten. Kunst wird also als nonverbales Ausdrucksmittel zur Förderung der Sinneswahrnehmung genutzt, um dann gezielt die Heilung dieser inneren Zustande einzuleiten. 

Anwendung 

Kunsttherapie wird in verschiedenen Bereichen eingesetzt, darunter Psychiatrie, Psychosomatik, Rehabilitation, Traumatherapie, Ergotherapie und Palliativmedizin. 

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Als  Kunsttherapeut:in arbeiten

Kunsttherapeut:innen arbeiten in Kliniken, Therapiezentren, Schulen, Altersheimen, Rehabilitationszentren oder auch selbstständig in eigener Praxis. Sie kombinieren künstlerische und psychologische Kenntnisse, um ihre Patient:innen bestmöglich auf dem Weg ihrer Heilung zu unterstützen. Die Berufe, die Kunsttherapeut:innen ausüben, sind anspruchsvoll, da neben kreativen Fähigkeiten auch psychologische und therapeutische Kenntnisse erforderlich sind. 

Ausbildung zur Kunsttherapeutin oder zum Kunsttherapeuten 

Die Kunsttherapie-Ausbildung ist in Deutschland nicht einheitlich geregelt. Es gibt verschiedene Ausbildungswege, die je nach Institution unterschiedlich aufgebaut sind. Einige Hochschulen bieten ein Studium in Kunsttherapie an, das mit einem Bachelor- oder Masterabschluss endet. In der Regel umfasst die Ausbildung sowohl künstlerische Praxis als auch psychologische und therapeutische Inhalte.

Dauer und Struktur der Ausbildung zur kunsttherapeutischen Fachperson

Die Ausbildung zur Kunsttherapeutin oder zum Kunsttherapeuten kann je nach Institution und Bildungsweg unterschiedlich lange dauern. In der Regel erstreckt sich die Ausbildung über einen Zeitraum von 1,5 bis 4 Jahren, insbesondere wenn sie in Teilzeit absolviert wird. Hochschulbasierte Studiengänge dauern in der Regel zwischen 3 und 5 Jahren, je nachdem, ob es sich um ein Bachelor- oder Masterstudium handelt.

Die Kunsttherapie-Ausbildung – Inhalte und Anforderungen

Lass uns nun tiefer auf die Ausbildung zur Fachkraft der Kunsttherapie eingehen und was die unterschiedlichen Bereiche beinhalten: 

Kunstpraktische Grundlagen

Hierzu gehören verschiedene künstlerische Ausdrucksformen wie Malerei, Zeichnung, Bildhauerei, Töpfern und Collagetechniken. Auszubildende lernen, wie sie diese Techniken gezielt in der Therapie anwenden können, um Patient:innen bei der Verarbeitung ihrer Emotionen zu unterstützen. Dabei geht es nicht nur um das Erlernen der Techniken selbst, sondern auch um die Interpretation der geschaffenen Werke und die reflektierte Begleitung des kreativen Prozesses.

Medizinische, psychologische und therapeutische Schulung

In diesem Bereich werden Kenntnisse der Psychotherapie, Entwicklungspsychologie und Neurowissenschaften vermittelt. Kunsttherapeut:innen müssen verstehen, wie kreative Prozesse das Gehirn beeinflussen und welche psychologischen Mechanismen bei Patient:innen durch Kunst aktiviert werden. Zudem lernen sie, wie sie Gespräche zur Reflexion der künstlerischen Arbeiten führen und therapeutische Interventionen gezielt einsetzen. Studierende lernen sowohl  die Grundlagen der Geschichte und Philosophie als auch  die unterschiedlichen kunsttherapeutischen Therapieverfahren.

Praxisorientierte Methoden

Hierzu zählen Fallstudien, Supervision und Praktika in klinischen oder sozialen Einrichtungen. Durch praktische Übungen und die Begleitung erfahrener Kunsttherapeut:innen können die Studierenden ihre Fähigkeiten im realen therapeutischen Kontext erproben und weiterentwickeln. Die Supervision hilft dabei, die eigenen Erfahrungen zu reflektieren und die therapeutischen Methoden zu optimieren.

Medizinische Grundlagen

Hierbei geht es um Basiswissen aus der Neurologie, Psychiatrie und psychosomatischer Medizin. Kunsttherapeut:innen müssen verstehen, wie körperliche und psychische Erkrankungen zusammenhängen und wie sie ihre Therapie darauf abstimmen können. Auch ethische und rechtliche Aspekte der Therapie spielen hier eine wichtige Rolle.

Getty/Manuel Arias Duran

Methoden der Kunsttherapie

Die Kunsttherapie bietet eine Vielzahl von Methoden, die individuell an die Bedürfnisse der Patient:innen angepasst werden können. Im Folgenden werden wir einige der bekanntesten kunsttherapeutischen Methoden näher erläutern: 

Freies Malen und Zeichnen

Beim freien Malen und Zeichnen können Patient:innen ihre Emotionen intuitiv auf Papier oder Leinwand ausdrücken. Diese Methode ermöglicht es, unbewusste Gedanken und Gefühle sichtbar zu machen, ohne sich durch Sprache einschränken zu müssen. Der Fokus liegt auf dem kreativen Fluss, ohne Bewertung oder künstlerische Perfektion.Ziel ist es, die Selbstwahrnehmung zu fördern und innere Konflikte nonverbal zu lösen. Sie dient aber auch zur Entspannung und dem Stressabbau. 

Gefühlsbilder

In dieser Methode werden gezielt Farben und Formen eingesetzt, um emotionale Zustände zu visualisieren. Die Wahl der Farben kann Aufschlüsse über innere Prozesse geben, während Formen und Kompositionen helfen, unausgesprochene Gefühle auszudrücken. Diese Methode wird vor allem zur Verarbeitung von herausfordernden Erlebnissen genutzt, indem sie die emotionale Ausdrucksfähigkeit startet und dabei hilft, Gefühle zu benennen und zu erkennen.   

Arbeiten mit Ton oder Skulpturen

Dieses kunsttherapeutisches Therapieverfahren bietet das dreidimensionale Arbeiten mit Ton, Holz oder anderen plastischen Materialien an und ermöglicht eine intensive Auseinandersetzung mit Emotionen. Die haptische Erfahrung unterstützt die Verarbeitung tiefgreifender innerer Prozesse und kann helfen, emotionale Blockaden zu lösen. Bei dieser Methode geht es vor allem um die Stärkung der Körperwahrnehmung, die Förderung der motorischen Fähigkeiten und wieder einmal unbewussten Gefühlen Ausdruck zu verleihen. 

Collagen und Mixed-Media-Kunst

Das Erstellen von Collagen durch das Kombinieren unterschiedlicher Materialien wie Papier, Stoffe oder Fotos fördert kreatives Denken und die Selbstreflexion der Patient:innen. Durch das Arrangieren und neu Interpretieren vorhandener Bilder können neue Perspektiven auf persönliche Themen entwickelt werden. Hier liegt der Fokus auf der Entwicklung neuer Identitätskonzepte, der Verarbeitung von Erinnerungen und der Förderung kreativer Problemlösung.

Visualisierungstechniken

Bei Visualisierungstechniken fordern Therapeut:innen die Patient:innen auf, sich bestimmte Szenen oder innere Bilder vorzustellen und künstlerisch darzustellen. Diese Methode hilft, verborgene Emotionen und Gedanken greifbar zu machen und therapeutisch zu bearbeiten.

Wissenschaft belegt die Relevanz der Kunsttherapie

Die Nachfrage nach kunsttherapeutischen Angeboten ist in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen. Dies liegt unter anderem an der wissenschaftlich nachgewiesenen Wirksamkeit kunsttherapeutischer Interventionen im Bereich der psychiatrischen und psychosomatischen Gesundheitsversorgung. Studien zeigen, dass insbesondere Menschen mit Angststörungen, Depressionen oder psychosomatischen Beschwerden von der kunsttherapeutischen Begleitung profitieren können.

Aufgaben als Kunsttherapeut:in

Lass uns nun in den Alltag einer therapeutischen Fachperson, die in der Kunsttherapie tätig ist, eintauchen. Die gängigen Aufgaben können zum Beispiel folgende sein: 

  • Erstellung von kreativen Therapieplänen, die auf die individuellen Bedürfnisse der Klient:innen abgestimmt sind
  • Anleitung von künstlerischen Übungen, um emotionale Ausdrucksmöglichkeiten zu erweitern
  • Beobachtung von kreativen Prozessen, um psychische Muster und Veränderungen zu erkennen
  • Gestaltung eines geschützten Raums, in dem sich Klient:innen frei entfalten können
  • Zusammenarbeit mit Psycholog:innen, Ärzt:innen und Pädagog:innen, um eine interdisziplinäre Betreuung sicherzustellen
  • Dokumentation von Fortschritten, um den Therapieprozess gezielt anzupassen
  • Entwicklung neuer kunsttherapeutischer Methoden basierend auf aktuellen Erkenntnissen
  • Förderung der Selbstwahrnehmung durch gezielte kreative Reflexion
  • Begleitung von Gruppen- oder Einzeltherapien mit künstlerischen Ausdrucksformen
  • Integration von Kunst in therapeutische Prozesse zur Unterstützung von Heilungs- und Veränderungsprozessen
Getty/Frazao Studio Latino
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Online-Angebote: Kreativität ohne Grenzen

Die Digitalisierung eröffnet auch der Kunsttherapie neue Möglichkeiten. Online-Angebote können es ermöglichen, kunsttherapeutische Prozesse flexibel und ortsunabhängig zu gestalten – etwa für Menschen mit eingeschränkter Mobilität oder für diejenigen, die sich aufgrund ihrer psychischen Belastung schwer tun, persönlich an Sitzungen teilzunehmen. 

Über digitale Plattformen lassen sich kreative Ausdrucksformen, Körperwahrnehmung und Entspannungstechniken in einem geschützten virtuellen Raum fördern. 

Hinweis: BetterHelp bietet keine Online-Kunsttherapie an. Über BetterHelp ist ausschließlich psychologische Beratung und allgemeine Aufklärung über Kunsttherapie verfügbar. 

Fazit

Die Kunsttherapie ist eine wertvolle Therapieform, die es Menschen ermöglicht, ihre Gefühle durch kreatives Gestalten auszudrücken und zu verarbeiten. Kunsttherapeut:innen spielen eine wichtige Rolle in der Behandlung von psychischen und körperlichen Erkrankungen. Die Ausbildung zur Kunsttherapeutin oder zum Kunsttherapeuten ist anspruchsvoll, bietet jedoch vielseitige berufliche Möglichkeiten.

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